Die Toten und die Datenbank
"RTL-Scripted-Doku-Dreck endlich in scharf mit dem Kundengängelsystem HD+ sehen!"
TeleColumbus legt sich ja sehr ins Zeug, um meinem Vater ihr Digitalangebot schmackhaft zu machen (sie haben es anders formuliert). Mein Vater war mal Kunde bei TeleColumbus, kriegt aber immer wieder mal an ihn adressierte Werbebriefchen. Passiert, kein Drama.
Bei der Kündigung damals hat TeleColumbus auch kein bisschen rumgezickt und hat sie anstandslos akzeptiert. So eine Sterbeurkunde ist schließlich auch ein starkes Argument. Die Sterbeurkunde meines Vaters. Sie wissen, dass er tot ist. Sie schicken ihm Werbung.
Sind die bescheuert?
Die Antwort "ja" fällt mir etwas schwer. Nicht, weil ich es nicht für möglich halte, sondern weil sich das dann wie ein Spiegel-Online-Forums-Kommentar anhört. Spiegel-Online-Forums-Kommentare klingen immer so, als ob die Leute extra abpassen, wann ihr Gehirn Gassi geht und dann in dessen Abwesenheit kommentieren. "Das Hirn ist grad weg; schnell was zu unseren Politikern schreiben (alle blöd)".
Stellen wir uns also mal eine Welt vor, in der sich die Mitarbeiter des TeleColumbus-Marketing nicht in einem Dixieklo verlaufen: Variante eins: die sind nicht blöd, sondern perfide.
Die wissen, dass mein Vater tot ist, aber sie wollen halt unbedingt ihre Scheißwerbung absondern und mein Vater ist derjenige, dem sie die Werbung legal schicken dürfen. Er war ja mal Kunde. Meiner Mutter dürften sie die Werbung nicht schicken, da sie nie Kundin war und auch sonst nie irgendein Einverständnis für Werbemüll abgegeben hat.
Aber ich glaube, da unterstelle ich auch schon zuviel Plan.
Am gleichen Tag hat nämlich auch ein Handwerksbetrieb im Auftrag des Stromnetzbetreibers an meinen Vater geschrieben. Der Stromzähler soll mal wieder gewechselt werden. Der Vertrag für den Strom wurde damals natürlich auch auf meine Mutter umgeschrieben. Aber das weiß nur der Versorger, nicht der Netzbetreiber. So ähnlich sieht es wohl auch bei TeleColumbus aus. Jede blöde Klitsche wird ja in eigenständige Einheiten zerlegt, von der jede auf ihren eigenen Datensätzen arbeitet. Eine Änderung der Daten kriegen daher nicht alle mit. Das ist die beliebte Managementmethode "rechte Hand weiß nicht, was linke Hand macht." Sowas können nur Spitzenprofis.
Jeder Wald- und Wiesenprogrammierer kennt die Grundlagen der Datenbankprogrammierung und weiß wie man solche widersprüchlichen Datensätze vermeidet. Das steht in jedem Anfängerbuch. Aber die Firmen halten sich nicht daran. Argh! Facepalm!

So, ich suche mir jetzt ein schönes dickes Buch zur Datenbankprogrammierung mit einem ausführlichen Teil zur Normalisierung und verprügele damit einen BWLer. Für irgendwas muss das Buch ja gut sein.